Tuna

Das Kunstwerk „Tuna“

 

Die Weltmeere, einst Sinnbild unerschöpflicher Fülle, sind heute erschöpft. Ihre Tiefe
trägt die Spuren menschlicher Gier, ihre Stille erzählt von Netzen, die zu viel
genommen haben. Fisch, über Jahrhunderte ein selbstverständliches Nahrungsmittel,
ist zu einer bedrohten Ressource geworden. Wenn wir ihn nicht nur für uns, sondern
auch für die kommenden Generationen bewahren wollen, braucht es mehr als gute
Absichten: ein weltumspannendes Netz großflächiger Meeresschutzgebiete und ein
Fischereimanagement, das sich nicht am kurzfristigen Ertrag, sondern an der
Dauerhaftigkeit des Lebens orientiert.
Nachhaltige Fischerei ist dabei kein technischer Begriff, sondern eine Haltung. Sie
beginnt mit dem Blick auf das Ganze – mit einer ökologischen Sichtweise, die das Meer
nicht als Rohstofflager begreift, sondern als lebendiges Gefüge. Besonders sensible
Lebensräume und verletzliche Arten verdienen Schutz, nicht Ausbeutung.
Fischbestände müssen in einem gesunden Gleichgewicht bleiben, damit sie sich erneuern
können, statt langsam zu verschwinden. Selektive Fangmethoden ersetzen das blinde
Ziehen leerender Netze, Artenvielfalt wird nicht als Nebensache, sondern als Wert an
sich verstanden. Nachhaltigkeit heißt, die Umwelt ganzheitlich zu schonen und zugleich
verantwortungsbewusst zu handeln – sozial gerecht, ökonomisch fair und transparent in
jedem Schritt.
Eine Meldung zu Beginn des Jahres 2025 wirft ein grelles Licht auf diese
Zusammenhänge. Der weltweite Proteinbedarf wächst, angetrieben von einer rasant
zunehmenden Bevölkerung, während die Meere vielerorts bereits leergefischt sind.
Fisch wird zum Luxusgut. In Japan erreicht diese Entwicklung einen symbolischen
Höhepunkt: Bei einer Auktion wird ein einzelner Thunfisch für 1,3 Millionen Euro
versteigert. Ein Tier, einst Teil eines lebendigen Schwarms, wird zur Trophäe des
Mangels. Dieser Preis erzählt nicht von Wohlstand, sondern von Knappheit – und von der
dringenden Frage, wie viel uns das Meer noch wert ist, wenn es fast nichts mehr zu
geben hat.